Lokalpatriot. Euphorisch. Bergisch.
Freitag, 09 Januar 2009, 10:38 | Autor: -christian
Nänänä, ich muss mal ‘ne Lanze brechen. *knacks* Stefan schreibt in seinem Artikel “Projekt 52: Deine Stadt” über das Tal der Wupper. Und das Wupperblog greift es auf und da kann ich dann auch nicht anders, nachdem der Frank auch ein paar Bilder beigesteuert hat. Und ich muss einfach mal ein wenig gegensteuern – einer muss ja den Verbrähmten geben.
Und um im Kontext zu bleiben: Ich mag diese Stadt. Ich mag ihre schönen Seiten und ich mag die Gegensätzlichkeit, die Wuppertal besitzt. Die schäbigen Ecken. Den teilweise morbiden Charme. Keine Schönheit. Keine gefällige Stadt. Kein durchgeplantes, glattes Städtchen. Wie denn auch? Ein Chemiewerk aus historischen Gründen mitten in der Stadt. Viel Industrie mitten in der Stadt. Wupper zugebaut und überbaut. Klar, Schindluder wurde getrieben mit der Stadt, in den 50gern, in den 60gern und auch noch heute. Aber ihr aus diesem Grund das Prädikat “nicht lohnenswert” zu geben, halte ich für völligen Quatsch. Und genau hier wird imho auch der Fehler gemacht. Wuppertal fehlt es nicht an Möglichkeiten. Wuppertal fehlt es nicht an Lebensqualität. Wuppertal fehlt es nicht an Naherholungsgebieten. Wuppertal fehlt es schlicht und einfach an Stadtmarketing!
Was man damit erreichen kann, sieht man hier auf dem Ölberg. Da wird zwischengenutzt, kommuniziert, gedruckt, gemarktet, gekünstlert, ausgestellt, gefeiert, gelebt, gegessen, getrunken und gelacht. Und es wird vor allen Dingen eines: Ausgesprochen und weiterverbreitet. Von den Leuten auf dem Berg. Private Initiative. Und die Initiative der hier ansässigen Geschäfte, Unternehmen und Künstler. Und schon ist der Ölberg in aller Munde – und zwar positiv, und nicht, wie vor noch 25 Jahren, negativ behaftet.
Das fehlt Wuppertal. Der Universitätsstadt. Der Stadt der Bühne. Der Dichter. Der großen Namen. Der Industriekultur. Der Galerien und Austellungen. Der Kunst. Der Restaurants und Kneipen. Der grünen Hügel. Der Wälder und Wiesen.
Und bevor es nun heisst: Ja, aber die Bausünden… Ja, aber der Döppersberg. Meine Damen und Herren, klar ist das Mist. Schäbige Ecken gibt es überall. Auch hier. Gerade hier. Weil eben nur wenige was dran ändern wollen. Insofern schließt sich der Kreis zu Stefans Beitrag. Mund aufmachen. Ist wichtig.
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Freitag, 9. Januar 2009
Ach, vor 25 Jahren war der Ölberg doch schon total Easy. Backstubengalerie und Hayat (bzw. der Vorgänger) existierten schon, außerdem hatten die Studenten das Viertel schön längst erobert. Erste Leerer wurden auch schon gesichtet.
Samstag, 10. Januar 2009
Nun ja, man möge mir meine historische Ungenauigkeit verzeihen, ich musste halt brüllen
Dienstag, 13. Januar 2009
Wenn jeder mal dann und wann ein bisschen Zeit für seine Stadt opfern würde, dann könnte man auch einiges erreichen. Darauf basiert ja zum Beispiel die Initiative “(M)eine Stunde für Wuppertal“. Aber wenn man sieht, was zum Beispiel in Cronenberg in fast schon lieber Regelmäßigkeit zu bestimmten Anlässen auf die Beine gestellt wird, dann kann man in anderen Stadtteilen doch fast neidisch werden. Cronenberg ist auch industriell geprägt, aber die Menschen dort machen was aus ihrem Dorf. Das müsste auch im Tal möglich sein – wenn die Wuppertaler wollen. Aber dann müsste man ja den Arsch hochkriegen…
Und Marketing wird doch schon einiges gemacht. Wenn man sich mal anschaut, was die “Wuppertal Marketing GmbH” zum Nordrhein-Westfalen-Tag (und wenn Herr Rüttgers mal nicht mitliest: NRW-Tag) auf die Beine gestellt hat, welche Aktionen sie von Zeit zu Zeit startet, dann ist das auch aller Ehren wert! Nur ein Stadtevent wie “Wuppertal 24h live” verliert leider mit den Jahren ein bisschen an Bedeutung. Aber wenn die Veranstalter das 2009 wieder ein bisschen aufpeppen und attraktive Aktionen mit reinbringen, dann klappt das auch wieder. Dann braucht man keinen WSV, der immer nur sein eigenes Süppchen kochen will…
In Wuppertal ist (mit wenig) viel möglich – man muss es nur wollen!
Donnerstag, 15. Januar 2009
Hallo Christian,
du sprichst mir aus der Seele.
Als Arrenberger und Europäer bin ich am Ölberg sehr heimisch geworden, weil hier – meiner Meinung nach – das großstädtischstes Viertel mit kleinstädtischer Nachbarschaft im Tal existiert.
Und in Wuppertal gesamt geht auch noch mehr, wie die Wuppertalbewegung, der NRW-Tag oder unser bunt besetzter Stadtrat beweisen. Wir sollten aus unseren Schwächen Stärken machen, und da sind wir dann beim Problem Stadtmarketing.
Da fehlt mir der Mut, den wir vielleicht alle vermissen lassen, wenn es darum geht zur Misere zu stehen.
Die Stadt verarmt, Leistungsträger wandern ab, weil keine Jobs da sind und – dank der Geografie – Neuansiedlungen schwierig sind. Im Umkehrschluss gibt es hier günstige Mieten, viele Spielräume (Altbauten, Industrieanlagen, Grünflächen, Wälder, Perspektiven im wahrsten Sinne des Wortes uvm.). Das sollte mal verkauft und publik gemacht werden. Wir alle, die wir gerne hier leben müssen Ideen entwickeln, Werbung machen und vor allem zur Stadt als Ganzes stehen.
Nicht nur Wuppertal hat seine haus- und fremdgemachten Probleme, jetzt ist Kreativität gefragt und nicht eine Idee, sondern ganz viele von ganz vielen. Warum z.B. gibt es keine Website der Satdt, die z.B. Ideen sammelt und zum Voting stellt. Aktuell hat die Wuppertalbewegung wieder mal bewiesen, wie der Wupperklöngel mal eben 500€ von Coca Cola abstaubt.
Viele Grüße
Christoph
Viele Grüße
Samstag, 20. Juni 2009
Ich lebe seit 2002 hier in Wuppertal, bin viel umgezogen, finde aber auch, dass diese Stadt (ich komme aus Berlin) wie jede andere ihre schönen und verfallenen Seiten hat. Außerdem aber eine Nachbarschaftskultur, die am Ölberg sehr deutlich zu spüren ist, auch wenn mensch dort nicht wohnt. Ist super, mag ich sehr, macht mir die Stadt heimeliger, lebbarer als manch anderen Ort.
Und der Lange Tisch ist auch eine tolle Idee, finde ich. Für mich als Neue in 2004 war das, mit Wetter (Wolenbruch – wer erinnert sich?) und allem eine ganz tolle beeindruckende Nacht, ich war um fünf Uhr wieder zu Hause (ich wohnte damals in der Südstadt). Sehen wir uns kommenden Samstag???? ;-))